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Persönlichkeiten in Führung

27.2.2015

In Ausbildungen und dem “daily business” werden weitestgehend  nur die konventionellen Kompetenzbereiche gefördert: Wissen, Erfahrung und Beherrschung der Management-Techniken.
Aber die wichtigste Führungskompetenz ist und bleibt unsere Persönlichkeit. Sie wird oft nach wie vor eher dem Zufall überlassen. Wissen wird “eingesaugt”, Theorien gelernt, um “state of the art” zu sein, und das wirksamste Bindeglied zum verantwortungsvollen Erkennen, Entscheiden und Handeln aussen vor gelassen.

Erst unlängst hatte ich Gelegenheit, einem Marketingprofi zu lauschen, der – neuester (und eigentlich längst bekannter) Stand neurobiologischer Forschung –  kundtat, dass Kaufentscheidungen zu 80% im emotionalen Bereich getroffen werden. Motivforschung war ein Thema, denn jedes Verhalten ist bedürfnisorientiert. Wenn das nun schon für “Produkte zum Anfassen” gilt, um wieviel mehr erst für den Dienstleistungsbereich. Und damit sind wir am Kern des Themas: jede Führungsaufgabe ist ein hochkarätiger Dienstleistungsvertrag, den Führungskräfte mit dem jeweiligen Unternehmen eingehen. Damit schließt sich der Kreis.

Jede Dienstleistung definiert sich in ihrer Qualität extrem über die ausübende Person. Deren Persönlichkeit bedeutet den USP. Personality sells.

Analyse, Differenzierung und Verankerung persönlicher Werte ist der direkteste, effektivste Weg zur Persönlichkeitsentwicklung und damit auch zu besserer Führung.Die Verankerung der Werte ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass notwendige Veränderungsprozesse – im Unternehmen und beim Einzelnen gelingen und nachhaltige Resultate gewährleisten. Erst wenn eine Führungskraft eine funktionierendes Wertesystem hat, kann sie als Vorbild dienen und im Sinne der Präsenz klare Führungsposition beziehen: eine Führung leben, die auf Qualitäten wie Ehrlichkeit, Bewusstsein, Reife, Urteilsvermögen, Ethik und Verantwortlichkeitsgefühl basiert.

Es ist die individuelle Führungskompetenz, die anderen die Möglichkeit gibt, ihre eigene innere Motivation zu entdecken. Sie bewirkt, dass Ihre Mitarbeiter es als Freude empfinden, mit ihrer und für ihre Führungskraft zu arbeiten. 

Ich nehme an, Sie hinterfragen und überprüfen regelmäßig Daten, Zahlen, Fakten: Umsatzzahlen, Margen, Gewinne, Aufwendungen, Kundenauswertungen, Produktionskosten, Marktanalysen, etc. . Wie oft hinterfragen Sie mit gleicher Intensität und Dringlichkeit jene Parameter, die unmittelbar mit der Führungskultur in Ihrem Unternehmen zu tun haben:

  • Ist es interessant, hier zu arbeiten?
  • Sind Ihre Mitarbeiter stolz darauf, in dieser Organisation zu arbeiten und auch bereit, Ihr Bestes zu geben?
  • Haben Sie Mitarbeiter, die motiviert und selbständig sind, oder spüren Sie insgeheim, dass deren commitment eher ambivalent angelegt ist?
  • Wird offen kommuniziert oder regiert die berechnende Vorsicht?
  • Stehen Sie im Dialog mit Ihren Mitarbeitern?
  • Wissen Sie, was diese bewegt, soll auch heissen, kennen Sie deren Potenziale und ermöglichen Sie als Führungskraft, dass diese – auch zu Ihrem Vorteil im Sinne der Ergebnisse – gelebt werden können?

Fragen führen – und sind ebenso wirksam bei eigenreflexiven Prozessen. Die Antworten liefert nicht nur der Kopf, Sie werden spüren, wenn sich insgeheim aus “dem Bauch” noch eine andere Wahrheit meldet.
Ich erlebte einmal bei einer Veranstaltung eine Führungskraft, die ihre persönliche Wahrheit in etwa so ausdrückte: ” Führen schön und gut, aber irgendwann muss auch wieder gearbeitet werden ….”. Prägnanter hätte jene Person nicht zum Ausdruck bringen können, dass sie die Kernaufgabe der Position nicht im mindesten erfasst hatte – und auch ganz offentsichtlich auch die Verantwortung nicht annahm, die damit verbunden ist – aus welchen Gründen auch immer.

Um es abzurunden: Wertebewusstsein und Urteilsvermögen, Menschenkenntnis und ein genuines Verständnis für menschliche Bedingungen sind der Kernbestandteil guter persönlicher Führungskom-petenz, und außerdem auch der Schlüssel zu Geschäftssinn, Kreativität, Effektivität und natürlicher Autorität.

Es braucht mehr als ein paar Tage Seminar, um Persönlichkeit zu entwickeln, Verhaltensweisen zu reflektieren, gegebenenfalls zu verändern und neue Erkenntnisse zu verankern. Entwicklung ist eben ein Prozess und kein Ereignis.

Persönlichkeit zu entwickeln, braucht absolute Bereitschaft, Zeit und Geduld, denn: Wenn du ein Samenkorn in die Erde legst, gräbst du es auch nicht jeden Tag aus, um zu sehen, ob es schon wächst.”

Über Ihre Kommentare und Fragen freue ich mich
Barbara Friesenbichler bf@bfriesenbichler-consult.at

 

Aktualisiert am 24. März 2015