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Resilienz- der seelische Airbag

8.3.2015

Wenn die Zeichen auf Krise stehen, gilt es ganz besonders, sowohl das Bewusstsein als auch den Blick zu schärfen. Krisen und Niederlagen als Chance – viele tun sich mit dieser Sichtweise schwer, weil sie oft als abwehrendes “Schönreden” interpretiert und empfunden wird.
Eines steht aber ohne jeden Zweifel fest: weder Krisen noch Niederlagen sind vermeidbar. Und damit als (Berufs-)Lebensbestandteil zu akzeptieren. Niemand behauptet, dass man solche Phasen nur dann gut bewältigt, wenn man sie “schmerzfrei” übersteht. Noch so ein realitätsferner Mythos…

Fakt ist aber, dass die Bewältigung solcher Situationen die Resilienz fördert – eine Kraft, die bei Menschen wie Stoßdämpfer gegen Schicksalsschläge wirken kann. Und das ist lernbar, wie viele Forschungen und Studien belegen.

Verhaltensforscher übertragen physikalische Gesetze (resilio = abprallen, zurückspringen, ursprünglich aus der Materialforschung): Resilient ist ein Mensch also, wenn er die seelische Kraft aufbringt, sich von Stress, Schwierigkeiten und auch Niederlagen nicht verbiegen zu lassen. Es vielmehr versteht, das Beste daraus zu machen, daraus zu lernen und durch diese Erfahrung die eigenen Fähigkeitsgrenzen nachhaltig erweitert. Resilienz ist als also eine Eigenschaft und Fähigkeit, die für eine eigenbestimmte Lebensführung (beruflich wie privat) eine enorme Bedeutung hat. Der Mensch wächst an seinen Krisen – vorausgesetzt, er ist willens, an und über sich selbst zu lernen.

Der Psychologe Russ Newman sagt, Resilienz beruht größtenteils auf Verhaltensmustern, die man sich antrainieren kann. Zu den Hauptvoraussetzungen allerdings gehören – so übereinstimmende Meinung vieler Forscher – unbedingt Kommunikationsfreudigkeit und ein stützendes soziales Umfeld (stabile, tragfähige Beziehungen).

Wer Krisen, im Alleingang bewältigen will (oder zu müssen glaubt), ist fast immer zum Scheitern veruteilt.

Was ist also das Geheimnis von Menschen, die aus Krisen nicht gebrochen, sondern im Gegenteil gestärkt daraus hervorgehen? Resilienz ist keineswegs eine übernatürliche Gabe einiger weniger Menschen, sondern in jeder Person grundsätzlich angelegt. Sie zu einer unterstützenden Fähigkeit auszubauen, liegt in der Verantwortung jedes einzelnen selbst.

Wie schaffen es manche, den allseits herrschenden Stress und Druck trotz allem relativ gelassen zu bewältigen? Was steckt hinter dieser Fähigkeit, sich trotz widriger Umstände, Rückschläge und Verluste nicht unterkriegen zu lassen? Boris Cyrulnik, ein Experte auf dem Gebiet “Resilienz”, meint: “Wenn Sie glücklich sein wollen, dürfen Sie nicht um jeden Preis den Schwierigkeiten ausweichen. Eher soll danach gesucht werden, wie man mit den anstehenden Herausforderungen am besten umgeht.” Menschen mit gut entwickeltem “R-Faktor” sind fähig, sich immer wieder aufzurichten, bewusst aus Erfahrungen zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Ihr Wissen, dass sie selbst gezielt Einfluss auf sich, auf die Dinge und die Umwelt nehmen können, ist eines der wichtigen Merkmale.

Diese Überzeugung, gewünschte Handlungen erfolgreich ausführen zu können, wird Selbstwirksamkeit genannt. Das Erfahrungs-Wissen, dass man in der Lage ist, schwierige Situationen zu bewältigen, nimmt viele Ängste und Zweifel und belässt die Konzentration und Energie, wo sie in schwierigen Situationen hingehört – bei der Lösung der anstehenden Herausforderung. Folgerichtig zeigen Menschen mit dieser Fähigkeit Mut bei der Bewältigung kritischer Situationen und sind weniger anfällig für irrationale (Versangens-)Ängste und Resignation. Sie haben gelernt, auch harte Fakten anzunehmen, darauf angemessen und sinnvoll zu reagieren, das (in dieser Situation mögliche) Beste daraus zu machen. Resiliente Menschen kultivieren ihre innere Balance ganz bewusst und gehen Herausforderungen in ihrem Leben zuversichtlicher an. Inzwischen sind Ergebnisse der Resilienzforschung auch in die Managementlehre integriert und finden langsam aber zunehmend auch im Businessalltag Berücksichtigung.

Gerade von Führungskräften wird heute verlangt, dass sie Druck und Schwierigkeiten professionell bewältigen und obendrein auch noch mit den Ängsten, Anforderungen und Widerständen ihrer MitarbeiterInnen angemessen umgehen.

Eine gereifte Persönlichkeit mit Bereitschaft zur eigenen Weiterentwicklung kann dieser Rollenerwartung am ehesten entsprechen.

Gerne beantworte ich Ihre Fragen und Kommentare:
Barbara Friesenbichler  bf@bfriesenbichler-consult.at

 

 

 

Aktualisiert am 24. März 2015